Kategorie-Archiv: Kirchliche Gebäude

Kirche Leipzig-Großzschocher

Südostansicht
Apostelkirche Großzschocher von Südosten

Im Südwesten Leipzigs steht seit über 800 Jahren die Dorfkirche Großzschocher. Nur auf den allerersten Blick erscheint sie als barocke Kirche – bei genauerem Hinsehen entdeckt man ihren romanischen Ursprung, die gotischen Erweiterungen und nicht zuletzt die gründerzeitlichen Umbauten.
Erst 1950 wurde sie Apostelkirche genannt – im Blick auf die Apostel Petrus und Paulus, die seit 1926 die Westfassade beherrschen (Johannes Hartmann).

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Leipzig-Großzschocher-Windorf

Leistungen: Planung, Statik und Bauleitung für Instandsetzung aller Dächer (außer Turm)

Baumaßnahme

Die Traufen des barocken Kirchenschiffes wurden wohl seit mindestens hundert Jahren vom Echten Hausschwamm beherrscht. Mehrere Anläufe konnten ihn nicht nachhaltig beseitigen.
Wie fast immer wuchs er so versteckt, dass der volle Umfang des Schadens im Vorfeld unserer Baumaßnahme noch gar nicht klar war. Eine großflächige Behandlung des gesamten Dachtragwerkes mit (aus heutiger Sicht hochproblematischem) Holzschutzmittel in den 1960er Jahren konnte dem Pilz überhaupt nichts entgegensetzen.
Nach kostenintensiver Reinigung der kontaminierten Hölzer* wurden die teils schweren Schäden beseitigt, die Dächer von Schiff, Chor und Anbauten neu eingedeckt und die Schäden am Traufgesims beseitigt.

Die völlig verschwammte Mauerkrone aus den 1960er Jahren (und vor allem die damals „vergessenenen“ Reste der alten Mauerschwelle!) wurden abgetragen und die eingekürzten Deckenbalken zwangsläufig wie schon vor über 50 Jahren mittels Überlagshölzern auf unsere neue Betonschwelle aufgesetzt. Alles eigentlich gar kein Problem, wäre da nicht drüber ein Dach und drunter eine wunderschöne neobarocke Kirchenausstattung gewesen.

*Die gesamte Konstruktion wurde im Trockeneisstrahlverfahren gereinigt und das Strahlgut abgesaugt, damit an dem Tragwerk überhaupt Zimmererarbeiten zulässig wurden. Von einer Beseitigung des tief ins Holz eingedrungenen Holzschutzmittels (Hylotox IP) kann jedoch keine Rede sein – die wäre praktisch nur durch Entsorgen des Holzes möglich.
Bewirkt hat das Holzschutzmittel eigentlich nichts: Für den Hausbock, der einige begrenzte Schäden verursacht hatte, kam die Behandlung bestimmt 200 Jahre zu spät, und dort, wo der Hausschwamm wuchs, gelangte das Gift gar nicht erst hin. Die Anwendung mag seinerzeit vielleicht ein-, zweitausend Mark gekostet haben. Hätte man sich die gespart, wäre unsere Baumaßnahme über dreißigtausend (!) Euro kostengünstiger geworden…

Ist der Echte Hausschwamm jetzt ein- für allemal beseitigt? Kommt drauf an…

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Nikolaikirche Leipzig

Im Jahr 2019 schmücken wir unseren Kalender (und auch ein wenig unser Büro) mit der Nikolaikirche Leipzig. Gebaut haben wir sie nicht, umgebaut auch nicht. Sondern: Wir haben lediglich einen ziemlich hinterhältigen Holzschädling, so gut es ging, ans Licht geholt und bekämpft: Den Echten Hausschwamm.
Vielleicht ist noch nicht ganz ausgemacht, wer gewonnen hat – er oder wir. Schließlich konnten wir nicht den gesamten Fußboden umpflügen lassen. Also wird man die Kirche im Auge behalten müssen…

Bauherr: Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Nikolai Leipzig

Leistung: Planung und Bauleitung der Hausschwammbekämpfung im Südwesten der Kirche (Erdgeschoß und Keller) einschl. Betrachtung raumklimatischer Probleme (Luftbefeuchtung* / Beheizung)
*Wer genau hinschaut, sieht im Bild oben die Luftbefeuchter in Aktion. Ist das, was für die Orgel nötig ist, auch für die Kirche gut?

Nikolaikirche Leipzig

Nikolaikirche von Nordosten
Ansicht von Nordosten

Die Nikolaikirche ist eine spätgotische Hallenkirche (mit Teilen des romanischen Vorgängerbaus in der Westfront), deren Innenraum bis 1797 unter dem Leipziger Baudirektor Dauthe in einmaliger Weise klassizistisch überformt wurde. Was uns heute denkmalpflegerisch hochproblematisch erschiene, ist längst selbst Baudenkmal.
Seine heutige äußere Gestalt erhielt der Bau Anfang des 20. Jahrhunderts, während die berühmte Innenarchitektur Dauthes erhalten ist.
Bekannt wurde die Nikolaikirche Leipzig vor allem durch die Friedliche Revolution 1989. Daran erinnert die „aus der Kirche in die Stadt getragene“ Säule auf dem Nikolaikirchhof.

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Kirche Leipzig-Engelsdorf

(St. Pankratius-Kirche)
Südostansicht
Südostansicht

Kirchturm: Mauerwerksinstandsetzung (Nadelanker), Erneuerung Turmdeckung (Kupfer), Fassadeninstandsetzung (2011)
Leistungen: Planung und Bauleitung

Kirchenschiff: Instandsetzung Dach und Fassade, Schwammsanierung (2013)
Leistungen: Gutachten (Feuchteschutz, Holzschutz), Planung, Tragwerksplanung, Bauleitung

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Engelsdorf-Hirschfeld

Baugeschichte

um 1170 Errichtung einer romanischen Chorturmkirche (heute nur noch Turmstumpf und Reste der Apsis vorh.)

nach 1530 Einführung der Reformation in Engelsdorf

1831/32* Abbruch und Neubau des Kirchenschiffs als klassizistische Saalkirche

1863* Abbruch des Walmdaches über dem Turm und Neubau von Oktogon und Haube des Kirchturms nach Entwürfen von Architekt Zocher (Leipzig)
Nachgründung (Untermauerung) des Kirchenschiffs im Westen wegen Schäden im Giebelbereich

Außen- und Innenrenovierung

1878* zwei neue Glocken angeschafft

1886*Friedhof nach Westen erweitert
1897* Friedhof nach Norden erweitert

1903* Neueindeckung Turm (obere Haube in Zink), Außenputz erneuert, Innenrenovierung, Holzvertäfelung innen

Historisches Foto
Nordostansicht, undatiert (Bauakte des Pfarramts) evtl. um 1920

1924 Orgel (Fa. Alfred Schmeisser, Rochlitz/S.)

1927 Innenrenovierung

1939* (Innen-?) Renovierung

1961 Dachreparatur, Innenrenovierung

1966* Neueindeckung Turm

1967 neue Turmuhr

1971* Norddach neu eingedeckt (Falzziegel statt Schiefer auf Lattung)

1979-83* Fassaden neu verputzt, Innenrenovierung

1988* Dacheindeckung (Schiff) mit Betondachsteinen

2005 Diebstahl der Turmuhr, Einbau der Uhr aus der aufgegebenen Leipziger Markuskirche

2010 Erneuerung des Geläuts (Bronzeglocken)

2011 Neueindeckung Turm (Kupfer statt Schiefer), Einbau von Nadelankern in das Turmmauerwerk, Turm neu verputzt

2013 Außensanierung Kirchenschiff (Dach und Fassaden)

* Angaben aus der Bauakte der Kirchgemeinde entnommen, teilw. aus Abschrift der Urkunden aus dem Turmknauf von 1863 und 1903 (Abschrift 1967)

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Weitere Bilder

Dachfuß

Instandgesetzter Dachfuß

 

Turmdeckung

Turmdeckung

Bohrarbeiten

Kernbohrungen für die Nadelanker

 

Innenansicht nach Osten

Innenansicht nach Osten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Johanniskirche Pegau

Außeninstandsetzung (Dachtragwerk, Fachwerkchor, Dachdeckung, Sockelabdichtung, Fenster)

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Pegau

Leistungen: Planung, Tragwerksplanung, Bauleitung, Holz- und Feuchteschutzschutzuntersuchungen (2012/13)

Baugeschichte

Gottesackerkirche (Friedhofskirche) St. Johannis Pegau

1557
Gottesacker vor die Stadtmauer verlegt

1558
erster Kirchenbau (aus Material des abgebrochenen Klosters)

1644 (Dreißigjähriger Krieg)
Kirche aus militärischen Gründen abgebrochen

1674-76
Johanniskirche errichtet (Maurermeister Jakob Kattermann)

1699
Altar (Jacob Findeisen)

1705
Glocke gestiftet

1738
Blitzschlag, Dach und Bekrönung Dachreiter instandgesetzt

1782 (1784?)
Chorwände erneuert

1802
Dachreiter und Bekrönung instandgesetzt

1819
Renovierung

1849
Orgel (Urban Kreutzbach, Borna), mit Umbau Orgelempore, Innenrenovierung

1899
Innenrenovierung

1910/11
Einbau einer Gasheizung

1914
Ersatz der Glocke (aus dem Dachreiter Laurentiuskirche)

1917
Abgabe Glocke und Zinnpfeifen der Orgel

1935
Erneuerung Orgel

1936/37
Innenrenovierung, Restaurierung Altar

1939
Glocke

?
Verschluß Nordportal (1936 noch vorhanden, 1971 bereits geschlossen)

1969
elektr. Beleuchtung

1972
Entfernung von Seitenemporen und Kanzel, Wiederherstellung des West- und Verschluß des Südportals, Raumabtrennung unter Orgelempore, Bestuhlung und Heizung (?) erneuert

1994/95/98
Fassadeninstandsetzung

2012/13
Einbau Vertikalabdichtung, Dachsanierung Schiff, Dach- und Fassadensanierung Chor, Fensterinstandsetzung

Daten überwiegend aus:
– Sachsens Kirchengalerie, 7. Abteilung, S. 57f, 1840,
– Neue Sächsische Kirchengalerie, S. 942 und 890, um 1906
– Unterlagen des Baupflegers im Regionalkirchenamt Leipzig
– Fotodokumentation 1970-72 und Bauunterlagen 1936-37 des Pfarramts
– Johannes Brumme: Die St. Johannis-Kirche (aus dem Bestand des Pfarramts, teilw. ohne Quellenangabe)

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Nordostansicht

Weitere Bilder

Instandsetzung der Sparrenfüße (stehendes Blatt)

Choraußenwand

 Gründung

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Aktualisierung 2015

2015 leiteten wir die Innenrenovierung im Zusammenhang mit der Instandsetzung der Kreutzbach-Orgel.

Die Innenraumgestaltung aus den 1970er Jahren wurde weitgehend beibehalten,
während das Orgelgehäuse auf Grundlage historischer Fotografien nahe am Originalzustand von 1849 restauriert werden konnte.

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Pfarrhaus Pegau

Statische Instandsetzung im Inneren des Pfarrhauses durch Einbau tragender Stützen, Mauerwerks- und Holzständerwände, Verlängerung eines Treppenhauses ins Dachgeschoß, Umbau und Modernisierung mehrerer Nutzungseinheiten, Abbruch eines Anbaus, Wiederherstellung der Hoffassade

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchspiel Pegau

Leistungen: Bauplanung, Tragwerksplanung, Bauleitung (2010/11)

Weitere Bilder

Hoffassade nach Abbruch der Anbauten
Wiederhergestellte Hoffassade
Neue tragende Bauteile im 2. Obergeschoss
Stütze und Holzständerwand im 1. Obergeschoss

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Nachtrag 2016/17

2016 wurde der schöne Fachwerkgiebel instandgesetzt.
2017 erfolgte endlich der Anschluß der hofseitigen Dachentwässerung an den öffentlichen Kanal.
Unsere Leistungen: Planung einschl. Einholung aller Genehmigungen, Bauleitung

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Kirche Regis

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Regis-Breitingen

Leistungen: Bauleitung der Innensanierung (2009)

Die Innenraumgestaltung von 1957/58 (Max Alfred Brumme) wurde weitgehend wiederhergestellt.

Baugeschichte

ursprünglich spätgotische Saalkirche, dem hl. Georg gewidmet

1716
barocke Erweiterung

1838
klassizistischer Umbau

1873
Erweiterung des Chorraumes, Innenausmalung

1887
Errichtung des Kirchturms auf der Westseite

1926
Rückbau des Dachreiters über dem Schiffdach

1957/58
Erneuerung des Innenraums (Max Alfred Brumme)

1991-1999
Außeninstandsetzung in Teilabschnitten

2008/09
Innenrenovierung

(Quelle: Baupfleger beim Regionalkirchenamt Leipzig)

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Innenansicht nach Westen
Weitere Bilder

Innenansicht nach Osten
Altarbild (Max Alfred Brumme, 1954)
Originalzustand
Ansicht von Nordosten

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Kirche Hohen-Thekla

Außeninstandsetzung (Dächer und Fassaden) einschl. Schwammsanierung
der romanischen Kirche in Leipzig-Thekla

Bauherr: Ev.-Luth. Matthäuskirchgemeinde Leipzig-Nordost

Leistungen: Bauplanung, Bauleitung, Holzschutzgutachten und Tragwerksplanung (2006-2009)

Baugeschichte

Errichtet vermutlich vor 1200

1660 „Erneuerung“ (d.h. vermutlich Instandsetzung) nach dem 30-jährigen Krieg [1]  (siehe Tür am Südportal)

1680 Kanzel (mit Bildtafel u.a. der Theklakirche) [1]

1813 Drei Kanonenkugeln wurden „im Kirchturmputz immer wieder eingemauert“ [1]
(Nur noch zwei bekannt. Beide 2007 gestohlen, 2008 durch Stahlkugeln ersetzt)

um 1850 Darstellung in Sachsens Kirchen-Galerie

1889 Zusammenschluß der Dörfer Cleuden, Plösen und Neutzsch zur Gemeinde Thekla

1898 Umbau (unter Julius Zeißig), u.a. Einbau eines neoromanischen Portals auf der Westseite,
Vergrößerung der Fenster auf der Südseite [1],

„um 1900“ Anbau einer Sakristei, dort ursprüngliche Tür des Südportals verwendet [1]

vermutlich zu dieser Zeit Teilunterkellerung des Chores und Heizungseinbau

1930 Eingemeindung Theklas nach Leipzig

1933 Fassade steinsichtig (bis dahin Putzfassade) [1]

29./30.1.1959 Die Kirche brennt fast vollständig aus (Brandstiftung).
Neben den Außenwänden nur Teile der Sakristei und damit auch das barocke Türblatt des Südportals erhalten (heute wieder am ursprünglichen Platz).

1959-1962 Wiederaufbau, teilweise unter Rückführung auf bekannte bzw. angenommene romanische Formen, u.a. Reduzierung der Fenstergrößen Südseite, Wiederherstellung Südportal, Reduzierung der Dachneigung Langhaus, Verzicht auf Gewände am Westportal; Giebelüberstände, Veränderung Sakristei / Kellerzugang (Mai 1960 Richtfest / Glockenweihe, August 1960 Turmknäufe [4], Weihe 7.10.1962)

1998 Innenrenovierung

2007-2009 Außeninstandsetzung (Dächer, Außenmauerwerk)

Quellen
[1]  Deutsche Evangelische Kirchen: Die Kirche Hohen Thekla in Leipzig, Hrsg. Pfr. Joachim Petzold, 1952 (veränderter Nachdruck der 1. Auflage 1938, Pfr. Johannes Müller)

[2] Leipziger Volkszeitung vom 31.01.1959

[3] Schreiben Pfr. Petzolds vom 2.2.1959 an das Landeskirchenamt (Abschrift aus dem Turmknauf)

[4]  Schreiben Pfr. Petzolds vom 1.8.1960 aus dem Turmknauf

siehe auch: Wikipedia

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Die drei Kanonenkugeln

Die Überlieferung Drei im Kirchturmputz eingemauerte französische Kanonenkugeln erinnern an die Völkerschlacht“ muß hier noch etwas ergänzt werden: Erstens waren trotz intensivster Suche nur zwei Kugeln zu finden.
Zweitens wurden beide Kanonenkugeln kurz nach dem Einrüsten des Kirchturms entwendet – ob sie echt waren, muß also ungeklärt bleiben.

Die jetzt sichtbaren „Kanonen-“ (genauer: Kugelstoß-) Kugeln wurden diesmal nicht ins Mauerwerk geschossen, sondern mit angeschweißtem Bewehrungsstab tief im Mauerwerk verankert.
Auf eine dritte Kugel hat der Bauherr – trotz der bekannten Überlieferung – aber verzichtet.

Und falls jetzt den Dieb der Originalkugeln das Gewissen plagt: Vergebung (und Wiedergutmachung) sind bestimmt möglich.

Zwei französiche Kanonenkugeln vor Baubeginn

Keine Kanonenkugeln mehr wenige Tage nach dem Einrüsten

Kanonenkugeln nach Fertigstellung

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Weitere Bilder

Durch Echten Hausschwamm zerstörter Balkenkopf
Neue Sonnenuhr auf der Südfassade des Turms

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Pfarrhaus Taucha

Instandsetzung von Pfarrwohnung und -dienstzimmer
im barocken Tauchaer Pfarrhaus

Bauherr: Ev.-Luth. Kirchgemeinde Taucha – Dewitz – Sehlis

Leistungen: Planung und Bauleitung (2008)

Aktualisierung 2019

2018/19 hatten wir das Haus noch einmal „in der Hand“, diesmal mit größerem Besteck: Im Zuge einer anstehenden Dachinstandsetzung wurde ein großer Teil der barocken Dachkonstruktion erneuert (alte, extreme Hausbockschäden), das Dach neu eingedeckt und die Wohnung im Obergeschoss wiederhergstellt.

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